Begriffe Grundlagen

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Inhaltsverzeichnis

Bedürfnisse

  • Pyramide nach Maslow:
    1. physiologisch
    2. Sicherheit
    3. sozial
    4. individuell (Selbstwert)
    5. Selbstverwirklichung
  • Grundbedürfnisse
    • Bindung - Autonomie
    • Anerkennung - Identität
    • Sinn
  • nach Klaus Grawe:
    1. Orientierung/Kontrolle
    2. Lustgewinn/Unlustvermeidung
    3. Bindung
    4. Selbstwert
    • motivationale Schemata
      • Annäherungsschemata
      • Vermeidungsschemata
    • Formen von Inkonsistenz:
      • Inkongruenz = nicht-erreichen von Zielen/Bedürfnissen
      • Diskordanz = motivationaler Konflikt

Bindung

  • John Bowlby: inner working models → Bindungsrepräsentationen/-schemata → Interpretation und Voraussage
  • Mary Ainsworth → "Fremde Situation"-Test
  • Angst → Bindungssystem → Bindungsverhalten vs. Erkundungsverhalten
  • unsichere Bindung → BPS, Impulskontrolle, Angststörungen, Abhängigkeit
  • Bindungstypen:
    • sicher
    • unsicher-vermeidend: Bindungsverhalten ↓, Erkundungsverhalten ↑
    • unsicher-ambivalent: Bindungsverhalten ↑, Erkundungsverhalten ↓
    • desorganisiert: double-bind
  • Adult Attachment Interview

Coping

  • Bewältigung, individuelle Art des Umgangs mit Lebensereignis (Krankheit, Behinderung)
  • aktiv besser als passiv

Embodiment

  • psychische/kognitive Prozesse immer mit Bezug auf Körper
  • "Leiblichkeit"
  • Synchronie = abgestimmtes nonverbales Verhalten → korreliert mit Sympathie, Beziehungsqualität, Therapieerfolg
  • Thomas Metzinger

Emotionen

  • kognitiv
  • physiologisch
  • subjektiv ("Gefühl")
  • motivational (Impuls)

Entwicklungspsychologie

  • differentielle Entwicklung → fluide/kristalline Intelligenz
  • Entwicklung (Altern) → Selektion, Adaption, Kompensation
    1. normative Aufgaben: alterstypisch, Übergänge → Vulnerabilität
    2. nicht-normative Lebensereignisse → hohe Anpassungsleistung
    3. kulturelle Faktoren
  • Lebensphasen:
    1. frühe Kindheit
    2. Kindheit
    3. Jugend/Pubertät/Adoleszenz
    4. früher Erwachsenenalter
    5. mittleres Erwachsenenalter
    6. höheres Erwachsenenalter
  • Entwicklungsstufen nach Kegan (→ Piaget)
    1. einverleibend: Autarkie vs. Versorgung
    2. impulsiv: Abhängigkeit vs. Autonomie
    3. souverän: Impuls vs. Kontrolle
    4. zwischenmenschlich: Beziehung vs. Identität
    5. institutionell: Gesetz/Gesellschaft vs. Freiheit/Individuum
    6. überindividuell: freie Entscheidung für innere/kulturelle Werte
  • psychosoziale Entwicklung nach Erikson
    • körperliche Reifung/psychosoziale Anforderungen
    • 8 Phasen mit spezifischen Themen/Konflikten

Epidemiologie

  • Punkt-/Periodenprävalenz
  • Inzidenz

Psychosomatik - Geschichte

  • Traditionen:
    1. holistisch/humanistisch → nicht Krankheit, sondern Kranke behandeln (Uexkuell, Weizsäcker)
    2. psychogenetisch/psychoanalytisch → Konversion
    3. psychophysiologisch → Stress (Cannon, Selye)
  • dreistufiges Konzept:
    1. psychosomatische Grundversorgung
    2. Zusatzbezeichnung, gebietsbezogen
    3. Facharzt

Gewichtsregulation

  • Fettzellen: Leptin → "Sattheit"
  • Magenzellen: Ghrelin → Hunger
  • Set-Point-Theorie: nicht haltbar, in Maßen korrekt

Ich-Syntonie/-Dystonie

  • Dystonie: meist Achse I → Angst/Panik, Zwänge, Depression
  • Syntonie: Psychose/Wahn, Persönlichkeitsstörungen

KJP

  • häufig körperliche Beschwerden (somatoform)
  • Münchhausen-by-Proxy
  • Triangulierung Eltern - Therapeut - Kind
  • Entwicklungsaufgaben und Störungen:
    • Säugling: Schlaf-/Fütterstörungen
    • Kleinkind: Bindungs-/Entwicklungsstörungen
    • Kindergarten: (Trennungs-)Ängste
    • Grundschule: ADHS, Ausscheidungsstörungen
    • frühe Adoleszenz/Pubertät: Essstörungen, Selbswert
    • mittlere Adoleszenz: Sozialverhalten, Drogen
    • späte Adoleszenz: PS
  • Multiaxiale Klassifikation:
  1. klinisch-psychiatrisches Syndrom
  2. Entwicklungsrückstände
  3. Intelligenzniveau
  4. andere Krankheiten
  5. assoziierte aktuelle psychosoziale Faktoren
  6. Globale Beurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus
  • psychodynamische Besonderheiten
    • kaum Ich-Spaltung/Mentalisierung
    • Eltern noch reale Objekte der Gegenwart, Abhängigkeit
    • Agieren normal
    • Therapeut als Hilfs-Ich (Holding, Containing)

Konditionierung

  • klassisch/respondent (Pawlow) → Stimulus
    • unbedingter Reiz → neutraler Reiz → konditionierter Reiz (autonom!)
  • operant → Konsequenz/Kontingenz
    • Lernen durch Erfolg/Misserfolg, Belohnung/Bestrafung
    • primäre/sekundäre Verstärker
    • Kontingenzschema: positive/negative Verstärkung (C+, C-/), Bestrafung Typ I/II (C-, C+/)
    • größte Bedeutung klinisch: negative Verstärkung (Wegfall unangenehmer Gefühle, Vermeidung)

Lerntheorie

  • Prägung = in der Entwicklung früher, schneller Lernprozess (sensible Phasen), nur schwer reversibel zu machen
  • operantes Lernen → Verstärkung → Dopamin
  • klassische Lerntherorie:
    • Habituation = Abschwächung
    • Sensitivierung = Verstärkung
  • kognitive Lerntheorie: Nicht Reiz an sich, sondern Interpretation relevant für Reaktion (O-Variable)

Mentalisierung

  • Peter Fonagy → MBT
  • Fähigkeit, eigenen und fremden Handlungen eine Bedeutung/Motiv zuzuschreiben (ab 4. LJ)
    • Empathie = Einfühlen in andere Menschen
    • Antizipation des Verhaltens
    • Introspektion (Ich-Spaltung)
    • Affektregulation, Selbstberuhigung
  • Theory of mind = Fähigkeit, über Verhalten auf "Innenwelt" bei anderen zu schließen
  • Alexithymie:
    • ungenügende bewusste Wahrnhemung von Emotionen
    • mangelnde Mentalisierung/Verbalisierung von Affekten, stattdessen anhaltende körperliche Spannungszustände, Dauerarousal

Motivation

  • intrinsisch: um seiner selbst willen oder aufgrund von Idealen/Werten
  • extrinsisch: Belohnung/Bestrafung
  • 2-Faktoren-Theorie (Herzberg):
    • Hygienefaktoren: Mangel erzeugt Unzufriedenheit, Vorhandensein macht noch nicht zufrieden
    • Motivatoren: erhöhen Zufriedenheit, Fehlen erzeugt eine Unzufriedenheit
  • Widerstand in der Therapie = Störfaktoren
    • Ursachen: Veränderung eines Gleichgewichts, Reaktanz, Überforderung
    • Unterscheidung: Arbeit an Beziehung vs. Arbeit an Inhalten/Zielen
    • Möglichkeiten: Zukunftsimagination, Hindernisse verkleinern, bestehende Ziele/Motive

Neurobiologie

  • limbisches System:
    • → Emotion, Motivation, Lernen, Gedächtnis
    • Strukturen um Basalganglien und Thalamus: Hippocampus, Fornix, Corpus mamillare, Gyrus cinguli, Amygdala, vordere Thalamuskerne
    • Dopamin, Endorphine
  • Hippocampus → Kurz- → Langzeitgedächtnis

Stressregulation

  • früher Stress → Vulnerabilität
  • HPA-Achse → Cortisol

Emotionsreagulation

  • Amygdala = "Alarmsystem" → Angst, unbewusste Stimulusberwertung, physiologische Eomtionskomponente, reflexhafter Verhaltensimpuls
  • ACC = "Beleuchter" → Aufmerksamkeitslenkung, bewusste Wahrnehmung
  • PFC = Emotionsregulation, kognitive Kontrolle, Handlungsplanung
  • Hippocampus = "Journalist" = Gedächtnis, Bedeutung, Kontext

Gedächtnis

  • frühe Umwelt → Epigenetik, Prägung
  • explizit = deklarativ → Fakten, Autobiographie → Hippocampus
  • implizit = unbewusst, sensomotorisch, vorsprachlich (→ Inszenierung!) → Basalganglien, Striatum
  • Lernen = Selektion
  • Erinnern = Rekonstruktion + Modifikation

Persönlichkeit

  • relativ (!) konstant, transsituativ, transtempoal
  • Internalisierung:
    • Introjektion
    • Rekapitulation
    • Identifikation
  • Big Five: OCEAN
    1. Offenheit
    2. Gewissenhaftigkeit
    3. Extroversion
    4. Verträglichkeit
    5. Neurotizismus

Psychotherapie

  • Strotzka:
    • bewusster und geplanter interaktioneller Prozess
    • Leidenszustände und Verhaltensstörungen, die in einem Konsens für behandlungsbedürftig gehalten werden
    • mit psychologischen Mitteln (verbal + nonverbal)
    • in Richtung auf ein definiertes Ziel
    • mittels lehrbarer Techniken
    • Basis: Theorie normalen und pathologischen Verhaltens

Resilienz

  • Fähigkeit, Krisen zu bewältigen → interne/externe Ressourcen
  • Faktoren:
    • soziale Unterstützung
    • Sinngebungsmodelle
    • Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugung
    • Ungewissheitstoleranz
    • Problemlöseorientierung
    • Akzeptanzfähigkeit

Salutogenese

  • Gesundheitsförderung: Resilienz fördern, Ressourcenorientierung, Selbstwirksamkeit
  • Antonovsky: Gesundheit/Krankheit als Prozess/Kontinuum
    • Kohärenzgefühl:
      • Verstehbarkeit: Ereignisse sind erklärbar
      • Bewältigbarkeit → Ressourcen
      • Sinnhaftigkeit: Anstrengung lohnt sich

Selbstmanagement

  • Selbstregulation - Modell nach Kanfer:
    • Selbstbeobachtung
    • Selbstbewertung
    • Selbstverstärkung
  • Determinanten: α/β/γ-Variablen
  • Selbstkontrolle
    • Stimuluskontrolle
    • Kontingenzkontrolle
    • "WIderstehen einer Versuchung" → Verzicht auf kurzfristig positive - für langfristige positive Konsequenz
    • "Heldenhaftes Verhalten" → Inkaufnahme kurzfristig negativer - für langfristige positive Konsequenz

Selbstwert

  • 4 Säulen nach Potreck-Rose:
    1. Selbstvertrauen
    2. Selbstakzeptanz
    3. soziales Netz
    4. soziale Kompetenz

Somatisierung

  • Beschreibungsdimensionen:
    • Körperberschwerden: Anzahl, Verteilung, Verlauf
    • Ursachenüberzeugung
    • Depressivität und Angst
    • Krankheitsverhalten: Doctor-Hopping, Body-Checking
    • physiologische Norwmabweichungen → "somatisches Entgegenkommen" (Freud) als Auslöser/Disposition/Ort der Beschwerden
  • Ätiologie:
    • Störung der Affektwahrnehmung
    • erhöhte pyshiologische Reaktionsbereitschaft
    • somatosensorische Amplifizierung
    • biographische Vunerabilität
    • kognitive Fehlbewertung: Attribution, Gesundheitsbergriff
    • Bahnung durch körperliche Vorschädigug
    • intrapsychische Dynamik, primärer Krankheitsgewinn
    • soziale Aspekte, sekundärer Krankheitsgewinn
    • iatrogene Chronifizierung

Soziapsychologie

  • Reaktanz: Widerstand bei Einschränkung der Freiheit
  • "Rubikonmodell" der Handlungsphasen
    1. Motivation: Handlungsmöglichkeiten, Zielentscheidung
    2. Volition: Planung
    3. Handlungsinitiierung
    4. Bewertung

Konsistenztheorie

  • kognitive Dissonanz = Diskrepanz Verhalten ↔ Einstellung → Veränderungsmotivation
  • Reduktion durch Änderung des Verhaltens/der Einstellung, Integration neuer Information
  • Scheinlösungen: Ausreden, Abwehrmechanismen (Nicht-Wahrnehmen, Leugnen)
  • siehe auch Konsistenztheorie von Grawe unter Bedürfnisse

Attributionstheorie

  • nach Seligmann:
    1. intern/extern
    2. stabil/variabel
    3. generell/spezifisch
    • Depressionsrisiko: negative Erlebnisse intern, stabil, generell
    • Resilienz: negative Erlebnisse extern, variabel, spezifisch

Health-Belief-Modell

  • subjektive Kosten-Nutzen-Rechnung bzgl. gesundheitsbezogenem Verhalten:
    • Glaube an Nutzen/Effektivität einre Maßnahme
    • Bewertung der Gefährlichkeit einer Erkrankung
    • Einschätzung des eigenen Risikos
    • eigene "Kosten" durch Verhatensänderung

Sterben

  • Kübler-Ross:
    1. nicht-wahrhaben wollen
    2. Zorn
    3. Verhandeln
    4. Depression
    5. Akzeptanz

Stress

  • Anpassung an Gefahrensituation
  • Walter Cannon: "fight or flight"

Hans Selye

  • Vater der Stressforschung
  • physiologisches Stressmodell
  • emotionale Bedeutung des Stressors, Kontrolle über Dauer/Intensität
  • "allgemeines Adaptationssyndrom" bei länger andauerndem Stress (physiologische Reaktionen):
    1. Alarmreaktion: Entzündung ↓
    2. Widerstandsstadium: Entzündungen ↑
    3. Erschöpfungsstadium: chron. Beschwerden (GI, Schlaf, RR)

Richard Lazarus

  • transaktionales Stressmodell
  • Stress abhängig von Bewertung (O-Variable):
    1. primäre Bewertung: potentiell "stressend", bedrohlich
    2. sekundäre Bewertung: mit Ressourcen bewältigbar? → Herausforderung oder Bedrohung
    3. Neubewertung: Coping erfolgreich?
  • drei Arten des Copings:
    1. problemorientiert
    2. emotionsorientiert
    3. bewertungsorientiert

andere Stressmodelle

  • Allostase-Konzept: zentrale Rolle des Gehirns (Bewertung, Antizipation=
  • Diathese-Stress-Modell:
    • Diathese = Prädisposition + Disposition
    • Disposition + Stressoren - Resilienz = Symptombildung
  • Job-Demand-Control-Model: entscheidend Kontrolle/Autonomie/Handlungsspielraum
  • Gratifikation (Siegrist): Distress/Gratifikationskrise bei Missverhältnis Einsatz/Belohnung
  • Theorie der Ressourcenerhaltung:
    1. Verlust ist bedeutsamer als Gewinn
    2. man muss Ressourcen investieren, um vor Verlust zu schützen oer neue zu gewinnen

Therapieplanung

  • Therapieschritte - 7-Phasen-Modell:
    1. Eingangsphase
    2. Veränderungsmotivation und -bereiche
    3. Verhaltensanalyse
    4. Zieldefinition
    5. Planung, Ausführung
    6. Evaluation
    7. Endphase: Generalisierung, Aufrechterhaltung
  • Therapieziele:
    1. Änderung des Verhaltens
    2. Änderung der Einstellung
    3. Änderung der Umwelt
    4. Akzeptanz des Unveränderlichen

Vergebung

  • = Verzicht auf Schuldvorwüfe und Anspruch der Wiedergutmachung
  • siehe "posttraumatische Verbitterungsstörung" nach Linden → "Weisheitstherapie"
  • Trauerarbeit über Verluste

Verhaltensanalyse

  1. Problemanalyse: Was?
  2. Bedingungsanalyse: Wann? (Mikroanalyse)
  3. Funktionsanalyse: Wozu? (Makroanalyse)

Mikroanalyse

  • = horizontale Analyse
  • Merkmale: Verhaltensexzess/-defizit, Intensität
  • SORCK-Schema:
    • S = Stimulus
    • O = Organismus
    • R = Reaktion (kognitib, emotional, physiologisch, behavioral)
    • K = Kontingenz
    • C = Consequenz: C+, C-, C-/, C+/

Makroanalyse

  • = vertikale Analyse
  • übergeordnetes Störungsmodell
  • Hypothesen über verursachende, auslösende, aufrechterhaltende Bedingungen
  • Funktionalität: primärer/sekundärer Krankheitsgewinn
  • Motivation
  • Rahmenbedingungen, Ressourcen

Wirkfaktoren

  • nach Grawe:
    • Beziehung
    • Ressourcenaktivierung
    • Problemaktualisierung (emotionale Erfahrungen)
    • motivationale Klärung
    • Problembewältigung
  • empirisch:
    • spezifische/unspezifische Faktoren
    • außertherapeutisch: Lebensveränderungen
    • Alliance = Arbeitsbeziehung
    • Allegiance = Überzeugung von eigenem Verfahren
  • Rogers: Empathie, Akzeptanz, Kongruenz
  • "Sudden gains" → early response bei erfoglreicher Therapie
  • DD medizinisches Modell ↔ kontextuelles Modell
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